Table-Top...the real ones!

Bratz

Well-known member
So! Heute gibt es quasi ein "Remake"
Vor ziemlich genau 4 Jahren habe ich mir mal den Virus "Modellautos fotografieren" eingefangen (die "Älteren" werden sich vielleicht noch erinnern;)) - nun möchte ich das wieder aufleben lassen - passt ja auch gut zu Table-Top.
Die Autos haben sich in Kisten ausruhen dürfen und sind fit!
Und ich bin hoffentlich auch weiter als vor 4 Jahren...:rolleyes:

Hier also der Start...ohne viel Aufwand für den Kulissenbau.
Eine 30x60 Bodenfliese in Schieferoptik (hierfür besser geeignet als echter Schiefer), gut nass machen (ist hier schon fast wieder trocken), Auto in gewünschter Position aufstellen, Kamera in eine flache Perspektive bringen, und im Hintergrund das von mir überaus geschätzte Architektenpapier (transparentes Zeichenpapier) aufhängen.
Diesmal nicht senkrecht, wie sonst, sondern ruhig in einem flachen Winkel.

Der Grund dafür? Ich möchte die Aufnahme dieses mal nur mit einen einzigen Licht machen!
Das ist ein Dauerlicht mit sehr enger Wabe (10°) und steht links - das Licht trifft das Auto, aber fällt auch noch als Streiflicht auf den Hintergrund.
Und genau DAS erzeugt nun einen schönen Regenhimmel. Die Wellen, Falten, Knicke - eben die Unregelmässigkeiten im Papier lassen Wolkeneffekte entstehen. Die müssen natürlich noch durch etwas Filtern verstärkt werden, aber Nachbearbeitung gehört halt dazu!

Die sehr geringe Schärfeausdehnung (trotz der kleinen Blende) lassen den Hintergrund schnell ins Sanfte abgleiten.
Die Nachbearbeitung besteht eben aus einigen Verläufen, Dodge&Burn und Filtern - tlw auf das gesamte Bild, tlw auch nur auf einzelne Partien angewendet.
Das Ganze ging recht flugs...es waren zwei Aufnahmen notwendig (zuerst war die Kamera noch deutlich zu hoch) und naja...eine gute Stunde Nachbearbeitung (wobei ich da auch immer etwas Zeit brauche, um mir zu überlegen, welcher Filter nun passend wäre...da wird man aber mit jedem Bild schneller)

Hier die Aufnahmesituation (sorry, aber mein Smartphone ist bei Bildern nicht so dolle):

IMG_20210123_141839_klein_dpixx.jpg
Ups...vergessen: rechts vom Auto gab es noch einen (wie üblich) Aufheller! Sonst wäre es zu dunkel geworden...

...und das ist das Ergebnis: On the road again
 

evalgg

Well-known member
Danke für die ausführliche Beschreibung! man muss also gar nicht so viel Aufwand betreiben um gute Tabletops zu produzieren.(y)
 

Bratz

Well-known member
Naja...der größte Aufwand findet wohl im Kopf statt - zuerst kommt bei mir die Idee...und das Bild steht schon (fast) fertig vor Augen.
Nun muss ich nur noch versuchen, dass auch umzusetzen...:rolleyes:
Etwas Erfahrung mit Licht und auch in der Nachbearbeitung erleichtern die Sache ungemein.
Wobei man da auch nichts heraus holen kann, was nicht schon im Bild "versteckt" war.:)
 

jottkah

Well-known member
Thomas hat mir erlaubt einen "Gastbeitrag" zu schreiben. Es geht um mein Gin Tonic Bild zum Monatsthema Gläser.

Die verwendete Lichttechnik ist dabei mehr als simpel.

Eine Stehlampe und ein IKEA Spot beleuchten möglichst gleichmäßig die weiße Wand hinter dem Motiv. Und zwar nur die Wand, sonst nichts. Die Reflexion durchleuchtet hauptsächlich die transparente Flasche, was hier zu den dunklen Konturen führt. Das modelliert zum einen die Flasche und zum anderen hebt sie sich dadurch gut vom hellen HG ab.

Die braune Flasche profitiert davon nur sehr bedingt. Für sie (und die Limette) habe ich eine stark improvisierte Softbox verwendet (Baustrahler + Faltreflektor). Das Etikett wird erkennbar und der helle Reflex auf der Flasche gibt ihr etwas Plastizität. Ohne die Softbox wäre auch das Tonic Etikett fast schwarz. Die Einspiegelung der Softbox fällt hier nicht sehr ins Gewicht, da die Tonicflasche ohnehin sehr hell ist.

Um die Ginflasche weiter zu modellieren habe ich links einen Aufheller aufgestellt und mit einer Schreibtischlampe angestrahlt. Das Licht fällt auch hier wieder ausschließlich auf die Wand, wirksames Licht ist nur die Reflexion. So spiegelt sich die weiße Fläche in der braunen Flasche, was die Form weiter betont.

Wenn sich nichts bewegt und man kein Problem mit langen Verschlusszeiten hat, kann man auch mit recht schwachen Lampen halbwegs vernünftige Bilder hinbekommen.

Drei_Dinge_Monkey_Henry Making Of 01.jpg

Drei_Dinge_Monkey_Henry Making Of 02.jpg

Drei_Dinge_Monkey_Henry Making Of 04.jpg

Drei_Dinge_Monkey_Henry Making Of 03.jpg
Nur um zu zeigen, wie weit die Objekte auseinander stehen.
 
Zuletzt bearbeitet:

evalgg

Well-known member
Danke für die gute Erklärung des Aufbaus! Was könnte man statt der Black Wrap nehmen um das Licht zu lenken?
 

jottkah

Well-known member
... Was könnte man statt der Black Wrap nehmen um das Licht zu lenken? ...
Im Grunde alles was nicht lichtdurchlässig ist und in diesem Fall nicht brennbar (weil Halogenlampen).
Black Wrap hat aber den großen Vorteil, dass man sich meist keine Gedanken machen muss, wie man es befestigt, weil es um alles herumgebogen werden kann. Bei schwarzem Karton z. B. ist das nicht ganz so einfach und du kannst ihn auch nicht beliebig formen, was mit Black Wrap geht. Und es ist auch wiederverwertbar, da es recht dick ist und nicht so schnell reißt wie Alufolie in der Küche.

Black Wrap gibt es z. B. bei Thomann: Rosco Alufolie 61x762 cm mattschwarz – Musikhaus Thomann
 

Bratz

Well-known member
Dann mache ich auch mal kurz einen Abstecher in die Vergangenheit - zum Thema "Gläser"...
Die hier vorgestellte Lichtsetzung ist vom Aufwand mehr als einfach - es ist wieder nur EIN Licht!
Aber es wird noch einfacher: das Licht sitzt direkt auf der kamera und beinem Systemblitz kann damit sogar die Belichtung automatisch korrigiert werden. Wir verwenden einen (wohl sehr oft in der Fototasche vorhandener) Aufsteckblitz.

Naja...ein direktes Blitzen bringt keine guten Bilder - zu flach und zu harte Schatten!
Also mittels "Bouncing"? Ja, aber auch dabei gilt es noch etwas zu beachten: auch gegen die Decke, Wand oder Reflektoren gerichtete Blitze streuen ihr Licht sehr weit! So gelangt immer noch ein großer Anteil von direkten Licht auf das Motiv...und DAS möchten wir vermeiden.

Damit es also nicht einfach ein langweiliges "Blitzfoto" wird, basteln wir uns ein kleines Hilfsmittel.
Ein "BFT" (BlackFoamieThing) - oder eingedeutscht einfach ein "schwarzes-Schaumstoff-Ding"
Der Schaumstoff ist eine etwas in Form geschnittene einfache Mausmatte (ist dafür die preiswerteste Lösung), an der ich noch ein breites Gummi angenäht habe. Fertig ist ein sehr universell einsetzbarer Abschatter für den Aufsteckblitz.

Hier an einem Yongnuo montiert:
IMG_20210128_115807_klein_dpixx.jpg

Aus der Form kann man eigentlich schon die Wirkung ableiten: das Ding soll Streulicht in eine bestimmte Richtung sperren!
Und Streulicht gibt es bei solchen Blitzen jede Menge!
Je nach Einstellung des Blitzreflektors (Weitwinkel oder Tele) geht doch ziemlich viel Licht am Objekt vorbei...und genau das kann zu einem etwas "verwaschenen" Lichteindruck führen. Zudem gibt es auch harte Reflexe in spiegelnden Oberflächen...
All das verhindert unser kleines "BFT"
Durch das Gummi ist er auf dem Blitzkopf relativ gut drehbar und somit schnell in die gewünschet Position als Abschatter gebracht.

Bei dem vorgestellten Bild ist der Blitz nach schräg rechts gegen einen etwas DIN A3 großen Styropor-Refektor gerichtet. Der wirft das auftreffende Licht nun wieder zurück und beleuchtet durchaus stimmungsvoll Flasche und Gläser.
Die Flasche ist Pressglas und hat von haus aus einen "Grünstich", das "Eis" bitte ich (für eingeschworene Whisky-Trinker) einfach weg zu denken - das Glas sähe sonst etwas öde aus - die Refexe bringen Leben ins Bild.
Der Whisky (oder ist es doch Whiskey?) ist nicht sehr geniessbar...es ist Wasser mit ein paar Spritzern Maggi!
Passt zumindest farblich ganz gut.

Da ich damals kein "Making-of"-Bild gemacht habe, hier nun als Ersatz eine kleine Skizze der Szene:
Whiskyglas_Licht.jpg

Das Ergebnis findet ihr hier:
Der Tag geht...

Bis bald!:)
 

Bratz

Well-known member
Ich weiß ja, dass manch eine (r) von Euch auf Neues von den zwei Enten wartet... ;)
Sie haben sich aus Paris gemeldet...

Hier kurz ein wenig vom "Making-of":

Die Idee war schon lange im Kopf, aber es brauchte etwas, um sie Realität werden zu lassen.
Zunächst fehlte eine Straßenlaterne - also im Internet gesucht...und bei Zubehör für "Gartenbahnen" fündig geworden!
Nun brauche ich noch etwas Straßenbelag - am besten Kopfsteinpflaster: Glückwunsch! ...meine Frau hat passenden Stoff (nur die Farbe musste in der Nachbearbeitung etwas geändert werden)
Vorsichtig ein Loch in den Stoff geschnitten und die Laterne kann dort aufgestellt werden...das Kabel läuft nach hinten 'raus zu einem Netzgerät.
Eine Fassade? Wird aus Gips auf Sperrholz selber fabriziert...
War schon mühsam, die Steine so einzuritzen...:rolleyes:

Das Geländer wird schnell (?) aus Schaschlik- und Eisstäbchen gebastelt...(und schwarz lackiert)
Das Fenter an der hinteren Fassade (die ist übrigens auch Stoff!) ist ausgedruckt und aufgeklebt...Belichtung hier mit einer Taschenlampe.
Was fehlt noch...ach ja- das Straßenschild: wie sehen die in Frankreich aus...:unsure:schnell gegoogelt und dann in Photoshop erstellt, ausgedruckt
und auf ein Stück "Cardboard" aufgeklebt...

Die "Ente" der beiden parkte ich einfach in der Seitenstraße...dann passt es auch halbwegs mit dem Maßstab.

Alle zusammen hat schon ein paar Stunden Arbeit "verschlungen" - aber das Ergebnis war es mir wert...
Ich hoffe, ihr seht es ähnlich und die Stimmung im Bild packt euch etwas an...(?)

Hier im "Making-of"-Bild ist das Fenster an der hinteren Fassade noch nicht aufgeklebt...
Und die Ente erhielt ihre Scheinwerferbeleuchtung nachträglich in Photoshop (aber schön gelb - es ist Frankreich!;))

Licht nur durch die Laterne, einen kleinen und engen Spot auf die Enten (aus Richtung der Laterne!) und etwas "Lichtmalerei" mit einer Taschenlampe... (Auto und Fenster - bei 15s Belichtungszeit gut machbar!)
Die zwei Enten bekamen natürlich in der Nachbearbeitung auch wieder "ihre" Regenmantelfarben...

IMG_20210111_171802_klein_dpixx.jpg

...und hier das "fertige" Bild der zwei Enten in Paris:
Rainy night in Paris

...have FUN!;)
 
Zuletzt bearbeitet:

evalgg

Well-known member
Es ist überraschend mit wie wenig Lichtaufwand du die Bilder erstellst. Der Arbeitsaufwand allerdings ist beeindruckend. Aber wir freuen uns immer auf neue Abenteuer der beiden Enten. Danke auch für ausführliche Erklärung zur Erstellung!
 

Bratz

Well-known member
Es ist überraschend mit wie wenig Lichtaufwand du die Bilder erstellst. Der Arbeitsaufwand allerdings ist beeindruckend. Aber wir freuen uns immer auf neue Abenteuer der beiden Enten. Danke auch für ausführliche Erklärung zur Erstellung!
Danke Eva...
Das Licht muss nicht "monumental" sein, sondern lediglich passend - und mit langer Belichtung (hier eben 15s) kann man auch noch schön "lichtmalen"
Aber Du hast Recht: es ist viel Arbeit und braucht Zeit...meist fehlt irgend eine Requisite...:rolleyes:
Um so mehr Spaß habe ich dann, wenn das Bild "im Kasten" ist:giggle:

...und es wird bald noch aufwändiger...:oops::cool:
 

Bratz

Well-known member
...nur kurz noch ein Nachtrag zu der Version II der "Rainy night..."
Es ist unter Umständen schon etwas aufwändiger (zumindest bei mir :rolleyes:)...die Sache mit Regen in Photoshop usw...
Hier die Aktionen is Photoshop in der Übersicht:Aktionen.jpg

Alles eine Frage der Geduld....;):cool:

Hier gibt es den Regen: Version II
 
Zuletzt bearbeitet:

floydpink

Well-known member
...nur kurz noch ein Nachtrag zu der Version II der "Rainy night..."
Es ist unter Umständen schon etwas aufwändiger (zumindest bei mir :rolleyes:)...die Sache mit Regen in Photoshop usw...

Alles eine Frage der Geduld....;):cool:
:eek: Dafür müsste ich mir Urlaub nehmen. :)
Aber, da sieht man mal was da für 'ne Arbeit 'drin steckt.
Manche Leute denken ja, man sagt einfach:"Photoshop, mach mal...!"
 

Bratz

Well-known member
Na...dann will ich mal versuchen, mit wenig Text und Bild die Entstehung von Regen und Schnee zu erläutern...:unsure:;):cool:

Das Ausgangsbild soll mein "Rapunzelturm" sein:
SZP_7271_stitch_bea1_klein.jpg
...hier sieht es Wolkenmässig schon etwas nach Schnee aus und der Turm eignet sich (mit seinen Vorsprüngen und Fenstersimsen) auch für bereits gefallenen Schnee...

Wir laden das Bild also in Photoshop (ich arbeite noch mit CS6) und duplizieren es direkt - so habe ich eine Arbeitsebene und behalte das Ausgangsbild unverändert. Das ist manchmal auch praktisch, weil Änderungen evtl. nur zu einem Teil angewendet werden sollen - dann kann ich über die Deckkraft auch noch etwas steuern.

Nun erstellen wir eine neue Ebene, wandeln sie in ein Smartobjekt um (dann kann ich später noch Änderungen vornehmen) und füllen diese mit der Farbe Schwarz!
Hier fügen wir Rauschen hinzu...sieht dann bis jetzt so aus:
(Achtung: ich habe hier die Ebenen anstelle von "Schnee" dummerweise immer "Regen" genannt...sorry!)

1612618044030.png

1612618068889.png

Nun wechseln wir zur "Filtergalerie" und wählen den Filter "Grobe Malerei" aus.
Die Werte seht ihr im Screenshot - da kann man etwas experimentieren - "Pinselgröße" ändert die Flockendichte
1612618200684.png

Jetzt brauchen wir das nur noch in den Mischmodus "neagtiv multiplizieren" zu bringen...
Es schneit...aber die Flocken sind noch viel zu scharf abgegrenzt...also schnell zum Filter "Bewegungsunschärfe".
Hier kann ich die Richtung, aus der der Schnne kommt einstellen und mit (je nach Auflösung!) dem passenden Wert werden die Flocken auch schön weich und fluffig...
1612618627296.png

Jetzt haben wir schon guten Schneefall...aber nur auf einer Ebene.
Je tiefer der Blick geht, je dichter wird der Schneefall ja - und je kleiner die Schneeflocken.
Also die Ebene einfach duplizieren und die Werte für "Flockengröße" anpassen, bzw. die Ebene kann auch (in Grenzen) komplett kleiner skaliert werden. Das kann man natürlich mehrfach wiederholen.
Hier habe ich beides gemacht...(liegt an der relativ kleinen Ausgangsbildgröße) und den Turm mittels Maske wieder "herausgemalt" - der steht ja mehr vorne und mehr schneien soll es halt nur im Hintergrund.

1612618947281.png

Was jetzt noch fehlt ist etwas schon gefallener Schnee...gerade auf solchen Gebäuden mit Simsen und Erkern macht sich das ganz gut.
Hierzu einen weichen, kleinen Pinsel auswählen, Farbe Weiß, Dichte und Fluß auf etwa 50% und immer schön "tupfen" - das gibt Strukturen und man kann so schön Schnee "anhäufen".
Malen können wir direkt auf der Arbeitsebene - oder wir legen eine neue, leere Ebene an.

Das fertige Bild könnte also nun etwas so ausschauen:
1612620743950.png

Der bereits gefallene Schnee macht schon richtig Arbeit (hier habe ich am Turmfuß ab und zu geschludert) - je kleiner der Pinsel, je echter wirkt es.
Man kann auch selber Pinsel erstellen - sogar welche die bei jedem "Tupfen" die Struktur ändern...aber DAS ist ein ganz anderes Thema.

ich hoffe, die kleine Anleitung war verständlich genug und ihr könnt den Tipp auch mal bei einem Bild nutzen...bei den warmen Wintern kommt man sonst wohl kaum noch zu Schnee...;)
Das war "SCHNEE" - der Regen kommt (vermutlich) morgen!
 
Zuletzt bearbeitet:
Oben