Fotografieren von Nichtsichtbarem

Tja, und was, wenn der Fotograf (ich, und ich benutze das Maskulinum weil ich ein Mann bin) etwas sieht, das fotografiert werden möchte, aber nicht sichtbar ist? :unsure:
 
@ Ray: Genauso habe ich es mir gedacht. Du sprichst mir aus der Seele...
@ Maurice: Tolle Anregung, bringt mich zum Nachdenken!
Ich habe auch einige Fotos gemacht, bei denen dort, wo eigentlich das Motiv sei sollte, Nichts ist.
Das haben aber leider fast nur Menschen gesehen, die auch fotografieren.
Genau das ist in vielen Genres so, dass sich viele tieferliegende Sachen nur einem gebildeten Publikum erschließen. Es stellt sich die Frage : Soll man nun in solchen Fällen geistig und ästhetisch leicht erscließbare Kunst machen oder sollte das Publikum gebildet werden (evtl. z. B. durch eine beigefügte Erläuterung). Also ich brauche für ne Oper, die ich nicht kenne unbedingt sowas! Also vielleicht auch für manche Fotos?
 
Gab es da nicht mal eine Sendung, wo ein Begriff erraten werden mußte und die Akteure es bildlich darstellen sollten? Man nehme einen Menschen mit aufgeblasenen Wangen und einen Kussmund, malt noch eine Pflanze und erhält eine Pusteblume?
 
Leider weiß das Unterbewusstsein immer mehr als das Bewusstsein, nur letzteres will es andauernd besser wissen.....
Zusammenarbeit ist die Lösung, wenn jeder etwas kann und weiß, was der jeweils andere nicht weiß oder kann....☯️
 
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Heute Vormittag hatte ich endlich wieder die Gelegenheit, ohne Zeitdruck mit der Kamera unterwegs zu sein. Ich wollte versuchen, meine Idee mit dem Wind umzusetzten, hatte aber noch keine Ahnung wie genau. "Einfach anfangen!" dachte ich mir, fotografierte zwar mit Sinn und Verstand, doch eigentlich einfach so drauf los. Dann, ganz zum Schluss, als ich neben einem Windrad stand, dessen langer Schatten so auf einen Waldrand fiel dass der Schatten des sich drehenden Rotors auf den Bäumen sichtbar war, kam mir die Idee: wenn der Wind direkt nur sehr schwierig fotografisch festzuhalten ist, warum dann nicht indirekt, nämlich durch den Schatten sich bewegender Dinge? Ein Foto davon kann ich leider noch nicht zeigen, da die Idee erst auf dem Heimweg Gestalt annahm. Ein erster Schritt, aber da wir ohnehin schon bei der Philosophie sind, kann ich mich doch ruhig durch Platons Höhlengleichnis inspirieren lassen...
 
Heute Vormittag hatte ich endlich wieder die Gelegenheit, ohne Zeitdruck mit der Kamera unterwegs zu sein. Ich wollte versuchen, meine Idee mit dem Wind umzusetzten, hatte aber noch keine Ahnung wie genau. "Einfach anfangen!" dachte ich mir, fotografierte zwar mit Sinn und Verstand, doch eigentlich einfach so drauf los. Dann, ganz zum Schluss, als ich neben einem Windrad stand, dessen langer Schatten so auf einen Waldrand fiel dass der Schatten des sich drehenden Rotors auf den Bäumen sichtbar war, kam mir die Idee: wenn der Wind direkt nur sehr schwierig fotografisch festzuhalten ist, warum dann nicht indirekt, nämlich durch den Schatten sich bewegender Dinge? Ein Foto davon kann ich leider noch nicht zeigen, da die Idee erst auf dem Heimweg Gestalt annahm. Ein erster Schritt, aber da wir ohnehin schon bei der Philosophie sind, kann ich mich doch ruhig durch Platons Höhlengleichnis inspirieren lassen...
Entschuldige, wenn ich mal dazwischen grätsche. Du hast in Deinem ersten Post vom 21.10., mit dem Du die Diskussion angestossen hast, die Frage gestellt, wie man etwas fotografiert, was man nicht sehen kann und dabei eine Bedingung aufgestellt ( "ich meine z.B. Wind, aber ohne dessen Wirkungen. Fliegende Blätter, schräg fallender Regen, flatternde Fahnen oder Ähnliches sollten also außen vor bleiben ).
Jetzt kommst Du plötzlich mit der Idee: wenn der Wind direkt nur sehr schwierig fotografisch festzuhalten ist, warum dann nicht indirekt, nämlich durch den Schatten sich bewegender Dinge?
Bist Du nicht der Ansicht, Du fällst Dir jetzt mit dieser 180 Grad-Wendung selbst in den Rücken ?
 
Entschuldige, wenn ich mal dazwischen grätsche. Du hast in Deinem ersten Post vom 21.10., mit dem Du die Diskussion angestossen hast, die Frage gestellt, wie man etwas fotografiert, was man nicht sehen kann und dabei eine Bedingung aufgestellt ( "ich meine z.B. Wind, aber ohne dessen Wirkungen. Fliegende Blätter, schräg fallender Regen, flatternde Fahnen oder Ähnliches sollten also außen vor bleiben ).
Jetzt kommst Du plötzlich mit der Idee: wenn der Wind direkt nur sehr schwierig fotografisch festzuhalten ist, warum dann nicht indirekt, nämlich durch den Schatten sich bewegender Dinge?
Bist Du nicht der Ansicht, Du fällst Dir jetzt mit dieser 180 Grad-Wendung selbst in den Rücken ?
Vielleicht ist im Laufe der Diskussion eine Entwicklung entstanden, evtl. mit etwas Erkenntnisgewinn? Das läge ja schon dem Ideal eines Dialogs verdammt nahe...👍😊anders als bei TV-Talkshows🙄
 
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@ Max: Nein Max, ich falle mir nicht selbst in den Rücken. Was ich beschrieben habe, war ein Anfang, mit dem ich den ersten Schritt in Richtung einer Umsetzung meiner Idee gemacht habe. Ich dachte es wäre im Interesse aller Teilnehmer an dieser Diskussion, wenn ich meine Schritte, die mich dem Ziel näher bringen, mitteile. Auch um zu zeigen, dass ich es ernst meine und das Ganze nicht nur ein ebenso abstruser wie wirklichkeitsfremder Witz ist. Auf manchem Weg (vor allem wenn er zu etwas Neuem führen soll) gibt es Momente, die wie Rückschritte wirken, aber eigentlich nur den beabsichtigten Weg gangbar machen.
Außerdem soll es Spaß machen und Freude bereiten! Welchen Sinn hat ein Weg, den man mit dem innerlichen Zwang geht, diesen Weg äußerlich konsequent einzuhalten?
 
Habe das alles aufmerksam gelesen, nachdem ich nun beschlossen habe, langsam aber sicher wieder einzusteigen, weil das vergangene Jahr "kompliziert" bei mir war. Und ja, mein erster Gedanke war, was ist aus Euch geworden, wie weit ist es mit Euch gekommen, dass jetzt schon nicht sichtbare Dinge fotografiert werden sollen. Es gibt doch genug Motive auf diesem Globus. 😉😉😉

Die Ideen hier zu dem Vorhaben von scape sind ja ganz nett und berühren die Problematik durchaus, dennoch glaube ich, dass das Problem nur assoziativ zu lösen ist. Etwas nicht sichtbares zu fotografieren ist ja bereits die Quadratur des Kreises, kann man es ja schließlich nicht einmal mit dem Auge wahrnehmen! Ergo kann man hier auch die Frage aufwerfen, ob ein "Gefühl", eine "Empfindung" oder "Liebe" oder "Hass" fotografisch erfasst werden kann, ohne eine sichtbare Auswirkung dieser Dinge zu fotografieren. Selbst wenn man eine Windstärkemessapparatur fotografiert, sieht man ja dann auch nur das Ergebnis dessen, was gemessen wird, ausgelöst durch den Wind. Den Wind selbst sieht man (natürlich) nicht. Ich glaube Dir durchaus, dass es Dir ernst ist mit dem Unterfangen und der Glaube an einen wirklichkeitsfremden Witz liegt mir fern, dennoch fürchte ich, dass der Weg zu Deinem Ziel durch die Logik hier versperrt bleiben wird. Die fotografische Abbildung einer Assoziation dürfte mMn der einzig gehbare Weg sein, um etwas nicht wirklich sichtbares abbilden zu können.
 
Etwas nicht sichtbares zu fotografieren
Vielleicht sollte man in dem Zusammenhang vom Begriff 'fotografieren' wegkommen und stattdessen 'darstellen' sagen.
Da wir ja mit 'Licht malen' ist es uns nicht möglich etwas, das nicht durch Licht in irgendeiner Form in Erscheinung tritt, direkt fotografisch abzubilden. Wir könnten es aber darstellen und so im Kopf des geneigten Betrachters unser gewünschtes Bild entstehen lassen.
 
Ray, ob wir nun etwas (assoziativ) darstellen oder sonst wie im Kopf des Betrachters ein gewünschtes, provoziertes Bild entstehen lassen (wollen/können) bleibt es am Ende des Tages ja nach den Vorstellungen von scape so, dass es fotografiert werden soll. So gesehen ist es eigentlich völlig wumpe, wie das Bonbon eingepackt (bezeichnet) wird.

Ich denke gerade an dieses Video, in dem die Nasa uns den Wind vom Mars "gezeigt" hat. Der Wind war hörbar, was für unsere Problematik ja schon einmal ausscheidet. Was aber, wenn man im Bild die Klangwellen eines Equalizers mit fotografiert. Die allerdings entstehen ja auch wieder nur durch den Einfluss des Windes.

Und nein, damit meine ich NICHT, dass wir dieses Experiment auf dem Mars fortsetzen. :cool:
 
Erstmal: Die physikalischen Grenzen der Fotografie sind mir durchaus geläufig. Und Einsatz ist nötig und sinnvoll, aber nicht zwangsläufig auf dem Mars...
Vielleicht sollte man in dem Zusammenhang vom Begriff 'fotografieren' wegkommen und stattdessen 'darstellen' sagen.
Da wir ja mit 'Licht malen' ist es uns nicht möglich etwas, das nicht durch Licht in irgendeiner Form in Erscheinung tritt, direkt fotografisch abzubilden. Wir könnten es aber darstellen und so im Kopf des geneigten Betrachters unser gewünschtes Bild entstehen lassen.

@ Ray: Du hast meine Idee richtig erfasst!

Ray, ob wir nun etwas (assoziativ) darstellen oder sonst wie im Kopf des Betrachters ein gewünschtes, provoziertes Bild entstehen lassen (wollen/können) bleibt es am Ende des Tages ja nach den Vorstellungen von scape so, dass es fotografiert werden soll. So gesehen ist es eigentlich völlig wumpe, wie das Bonbon eingepackt (bezeichnet) wird.

@ Bruno: Sehr gut getroffen!

Es geht mir tatsächlich nicht um das Fotografieren von Wind o. Ä., das war nur eine Provokation ('tschuldigung, aber die fand ich notwendig!).
Sie hat ja auch tolle Gedanken hervorgebracht, ehrlich gesagt konnte ich es mir bei euch auch nicht anders vorstellen.
Es geht mir darum, das Fotografieren bewusst auf die gedankliche und gefühlsmäßige Ebene auszuweiten. Weg vom Fotografieren, hin zum Darstellen! Damit zu tun hat auch die Frage: Müssen gute Bilder eigentlich scharf sein? Ich weiß, es gibt viele Technikfreaks und Technik ist ja auch für mich notwendig: eine Lochkamera wäre zwar interessant, würde mir aber keinen Spass machen.
Wenn ich mir beim Aufnehmen eines Bildes sage, dass ich mit dem Ergebnis meiner Bemühungen etwas Bestimmtes bei Betrachtern (man beachte die Mehrzahl!) auslösen möchte, habe ich gleich eine viel intensivere Beziehung zu meiner Tätigkeit. Entsprechend hat sich auch
mein Fotografieren geändert: es ist viel intensiver geworden, fühlt sich substanzvoller an. Das Fotografieren von Schatten sich bewegender Dinge war - wie schon gesagt - ein Schritt auf dem Weg, bei dem das engültige Ziel sich immer wieder verändern kann und soll. Ich werde weitermachen und mich vom Weg leiten lassen. Das hört sich vielleicht esoterisch an, ist aber ganz konkret und pragmatisch
 

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