Astrofotografie

Bratz

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Nach dem "Tropfen-Virus" hat mich nun endlich auch der "Astro-Virus" befallen.
Da stecke ich selber zwar noch in den Kinderschuhen, aber wenn es Interesse für dieses Genre gibt, so würde ich hier ein paar Zeilen zu Theorie und Praxis unterbringen...natürlich (Achtung: immer seeehr wetterabhängig!) auch mit ein paar Fotos.
 

Bratz

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Astrofotografie

1. Frühkindliche Prägung?


Der Weltraum – unendliche Weiten!💫
So beginnt eine wohl recht bekannte Sience-Fiction Serie die seit den ausgehenden 60er Jahren in endlosen Wiederholungen auch heute noch im Fernsehen läuft. Ich muss zugeben, ich bin schon seit früher Jugend mit dem „Astro-Virus“ infiziert. Nicht nur Bücher, Dokumentationen und Spielfilme rund um dieses Thema haben es mir angetan, auch die „Live“-Beobachtung von Himmelsobjekten stand schon immer recht oben auf meiner Wunschliste.
Leider begann es Anfang der 70er Jahre lediglich mit einem kleinen Linsenfernrohr mit 30-facher Vergrößerung, welches allerdings ein paar ernste Probleme mit der optischen Qualität hatte. Aber für die ersten Blicke auf den Mond hat es gereicht. Und auch der Andromeda-Nebel bekam ein klein wenig mehr Struktur und war nicht nur ein blasser Fleck am nächtlichen Sternenhimmel.
Für mehr Sicht auf die Objekte am Himmel blieb also für viele Jahre nur der Blick auf die in Magazinen abgebildeten, phantastischen Bilder, die in den großen Observatorien mit einem immensen Aufwand erstellt wurden. Natürlich habe ich auch schon zu analogen Zeiten Fotos vom Mond gemacht. 🌘 Aber in Ermangelung ausreichender Brennweite, waren diese Bilder doch etwas enttäuschend.
Als die digitale Fotografie richtig Fahrt aufnahm und ich mein Fotografie-Hobby auch wieder aktivierte, wurde auch der Wunsch nach Aufnahmen von Himmelsobjekten wieder aktiv. Ich schmökerte durch Astronomiebücher und beschäftigte mich auch schon (theoretisch!) mit der Astrofotografie. Zu der Zeit wurde in den Fachbüchern allerdings noch weitgehend über die analoge Fotografie doziert. Und meist wurden DSLR-Kameras auf vorhandene Teleskope montiert. Diese Teleskope hatten motorische Nachführungen und lieferten auch bei längeren Belichtungszeiten brauchbare Bilder ohne den sonst zu Strichen gezogenen Sternen.
Die für Astrofotografie genutzten DSLR-Kameras waren (und sind!) darüber hinaus noch oft umgebaute Modelle, bei denen der Infrarot-Sperrfilter vor dem Sensor entfernt wurde. Vor dem Sensor befindet sich ein Glasfilter, der als eine Art Tiefpassfilter hauptsächlich Licht der Wellenlänge 400-700nm durchlässt. Dies ist unser normales, sichtbares Spektrum des Tageslichts. Einige Objekte am nächtlichen Himmel (wie z.B. etliche Gasnebel) senden jedoch ein in den roten Bereich verschobenes Licht aus. Hier ist die Empfindlichkeit normaler DSLRs zu gering. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter solcher Umbauten, bei denen der Filter entweder gegen normales, optisch vergütetes Glas oder auch gegen speziell auf den Einsatzzweck berechnete Filter ausgetauscht wird. Wird nur noch ein Glasfilter genutzt, so erhöht sich zudem auch noch die Empfindlichkeit der Kamera deutlich, da nun das gesamte Spektrum auf den Sensor gelangt. Allerdings sind diese Kameras dann leider nicht mehr für die normale Fotografie zu gebrauchen.
So fasziniert ich auch von den so erstellten „Deep-Sky“-Aufnahmen war…ein Umbau der Kamera kam für mich nicht in Frage und ein geeignetes Teleskop hatte ich ja auch nicht. Also Schublade auf, Traum hinein und warten…bis Pentax dann vor einigen Jahren den „Astrotracer“ entwickelte. Eine Steuerung, die den beweglichen Sensor der Kamera dem Lauf der Sterne folgen ließ und so Aufnahmen der Sterne mit längeren Belichtungszeiten ermöglichte. Zuerst als Modul, das auf den Blitzschuh gesteckt wurde und nun, bei der K1, als integraler Bestandteil der Kamera.
In Verbindung mit den verbauten Hall-Sensoren für die Kompass-Funktion und dem ebenfalls integrierten, hochgenauen GPS-System weiß die Kamera –nach einer kurzen Kalibrierung durch jeweils einen Dreh um drei Achsen (eine etwas meditative Handlung) - sehr genau, wo sie sich befindet und in welche Richtung das Objektiv zeigt. Zusammen mit den an die Kamera übermittelten Daten des Objektivs (Brennweite!) kann sie nun den Sensor exakt der Drehrichtung der Erde entgegen bewegen und für ein klares Bild sorgen. Die Grenze der Belichtungszeiten hatte sich also deutlich verschoben und eine teure, sogenannte parallaktische Montierung mit motorischer Nachführung war erst ab einigen Minuten Belichtungszeiten notwendig.
Ich weiß nicht, wie es Euch mit den zahlreichen Funktionen der modernen digitalen Kameras geht, aber ich nutze sicherlich immer nur einen Teil davon. So lag auch mein Augenmerk zunächst „nur“ auf der „normalen“ Fotografie. Bis jetzt…diese Funktion meiner Kamera wollte ich nun doch mal richtig austesten.
Ich werde Euch also in der nächsten Zeit mit einigen theoretischen Grundlagen, Hinweisen zu Hard- und Software und meinen Erlebnissen rund um die Astrofotografie behelligen. Dabei geht es natürlich nicht! speziell um die Fotografie mit einer Pentax, sondern ich versuche einen kurzen, allgemeinen Überblick über die Erfordernisse und Möglichkeiten bei dieser Art der Fotografie zu geben.
Sicherlich ist der Einsatz „normaler“ Kameras ohne eine solche Nachführung auf bestimmte Brennweitenbereiche beschränkt, aber auch mit kürzeren Brennweiten kann man schon sehr schöne Astronomiefotos erstellen. Oder man gönnt sich einen der mittlerweile erschwinglichen Montierungen, die es erlauben, die Kamera der Erddrehung anzupassen. Auch dazu sicher später mehr.
Und um es vorweg zu nehmen: Hubble-Fotos sehen anders aus, aber nach ersten kleinen Rückschlägen, war ich schon sehr freudig überrascht über die Ergebnisse!
Im nächsten Teil möchte ich ein wenig auf Grundsätzliches zur Astrofotografie eingehen. Also etwas Theorie muss schon sein...;)
Und Anregungen und Hinweise von Eurer Seite sind auch gerne gesehen! ...wie gesagt: ich über hier noch kräftig!
 
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Bratz

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2. Etwas Theorie I

Das Thema Astrofotografie ist ein recht weit gestecktes Beschäftigungsfeld. Zum einen gibt es die Vermischung mit der Landschaftsfotografie, bei der eine nächtliche Landschaft oft von einem grandiosen Sternenhimmel überspannt wird. Es gibt die Mondfotografie, die wohl verhältnismäßig häufig betrieben wird – alleine schon aus dem Grund, weil unser Trabant ja doch ziemlich regelmäßig und gut sichtbar am Himmel auftaucht und sich so als Motiv anbietet.
Und dann ist da noch die Fotografie von Objekten, die mit dem bloßen Auge gar nicht oder nur sehr schemenhaft zu erkennen sind: die Deep-Sky-Fotografie. Hier sind es Galaxien, Sternhaufen und Nebel, die das Fotografenherz höher schlagen lassen.
All diesen Arten der Astrofotografie liegen aber einige Regeln und Besonderheiten zu Grunde, die sie von der „normalen“ Fotografie etwas unterscheiden. Versuchen wir uns also einmal einen Überblick zu verschaffen…

Vorweg aber noch etwas ganz Wichtiges: die Kamera gehört in jedem Fall auf ein stabiles Stativ!

Eines der Problem, auf das man zuerst trifft: die Motive bewegen sich! Kein Problem, wird man meinen…das tun auch andere Motive, wie Menschen, Tiere oder Fahrzeuge. Dafür verkürzt man die Verschlusszeit und zack! Sind sie wieder scharf abgebildet. Das geht aber nur, wenn für eine kurze Verschlusszeit auch genügend Licht vorhanden ist.
Und das ist die Krux bei der Astrofotografie…die findet meist nachts statt und die Motive (vom Mond mal abgesehen) emittieren recht wenig Licht.

Jeder kennt die Aufnahmen von Aufnahmen mit Sternenspuren – entweder als mehr oder wenig lange Striche oder aber auch als kreisrunde Lichtbahnen. Solche Bilder kommen durch eine –für die genutzte Aufnahmetechnik- zu lange Belichtungszeit zustande. Manchmal sind diese Spuren allerdings auch als künstlerisches Stilmittel gewollt, aber man erkennt doch eher wenig von dem, was am Nachthimmel zu sehen ist.

Der Ausweg? Kurze Belichtungszeiten, bei denen die Sterne eben noch nicht so viel weiter gewandert, sondern noch als Punkte erkennbar sind. Wobei sich ja die Himmelskörper eigentlich gar nicht bewegen, sondern sich die Erde unter ihnen dreht. Durch ihre Rotation erscheint es eben so – und das auch noch unterschiedlich, je nachdem wohin unsere Kameraoptik zeigt! In Richtung des Himmelspols (also da, wo eine gedachte Verlängerung der Erdachse hindurchgeht) bewegen sich die Sterne sehr langsam. Am Himmelsäquator (das ist nahe am Horizont) dagegen sehr schnell.
Dazu kommt noch die Wahl der Brennweite des Objektivs: Weitwinkelobjektive erlauben längere Verschlusszeiten, Teleobjektive nur verhältnismäßig kurze. Das kann man sogar berechnen. In Abhängigkeit der Sensorauflösung hat jeder Pixel des Sensors eine bestimmte Größe. Akzeptiert man z.B. eine „Unschärfe“ von drei Pixeln, so darf sich der Stern, während der Aufnahme, auch nur um diese drei Pixel bewegen.

Die Drehbewegung der Erde, die erlaubte Länge der Verzeichnung, die Brennweite und auch der Winkel (die Deklination) kommen in einer Formel zusammen:
Unbenannt1.JPG
l
ist die Länge der Strichspur in Millimeter (ergibt sich in unserem Beispiel aus der dreimaligen Pixellänge), F die Brennweite des Objektivs und ist der Deklinationswinkel.
Soviel Rechenkunst muss aber gar nicht sein…eine Faustformel reicht hier aus:
Die maximale Belichtungszeit, bei der absolut noch keine Sternspuren sichtbar werden, ergibt sich aus der einfachen Rechnung
t(s) = 500/Brennweite

Achtung: Dies gilt für Kamerasensoren mit Kleinbildformat! Bei APS-C oder mft ist auch hier die Brennweite mit dem Crop-Faktor zu multiplizieren. Dadurch ergeben sich bei z.B. 24mm an einer APS-C Kamera mit Crop-Faktor 1,6 Belichtungszeiten von rund 13 sec. Sicherlich werden auch bei einer 24mm Aufnahme auch bei 15sek noch keine wilden Spuren zu sehen sein, aber das sind schon mal Anhaltspunkte.

Bei Teleobjektiven wird es dramatischer: mit einem 200mm Objektiv wäre es gerade mal noch gut 1,5 Sekunden, die man belichten dürfte! Wie gesagt…es gibt hierbei etwas Luft nach oben, aber es gibt eben Unterschiede, je nachdem wohin ich meine Kamera ausrichte (Winkel!) Man macht sicherheitshalber immer ein Probefoto und schaut es sich mit der Lupe (Vergrößerung/Live-View) an und kann dann für sich entscheiden, wo die persönliche Schmerzgrenze liegt.

Der Astrotracer jedenfalls gibt mir bei Weitwinkelobjektiven bis zu einigen Minuten Belichtungszeit ohne Strichspuren und bei einem 300mm Objektiv sind auch gut 30sek möglich. Wobei es von der Genauigkeit der Kalibrierung und auch evtl. vorhandenen Störfeldern (elektrisch oder magnetisch) abhängt.

...Fortsetzung folgt...
 
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Bratz

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3. Etwas Theorie II

Wo wir gerade beim Thema Brennweiten sind…welche Brennweiten eignen sich wofür?
Weitwinklige Objektive, also alles unter 30mm eignen sich für Landschaftsaufnahmen mit Sternenhimmel oder eben Übersichtsaufnahmen größerer Gebiete des nächtlichen Himmels. Mit Ultra-Weitwinkelobjektiven läßt sich (entsprechende Sicht vorausgesetzt) der gesamte, auf der Nordhalbkugel sichtbare Teil der Milchstraße über das Bild spannen! Mittlere Brennweiten – also etwa 50mm bis 85mm können auch schon die etwas deutlicheren Objekte am Himmel (z.B. den die Plejaden oder den Orion-Nebel!) recht gut sichtbar machen.

Die Brennweiten der Objektive entsprechen ja bestimmten Öffnungswinkeln. Da unsere Motive am Himmel auch immer eine spezielle Ausdehnung in Winkelgraden haben, kann man anhand von Tabellen nach geeigneten Motiven Ausschau halten. So kann das Sternbild Orion (etwa 22° in der Hauptachse) mit 50mm schon gut formatfüllend (an APS-C etwa 25° für die Sensorbreite) abgebildet werden. Die Andromeda Galaxie (3°) benötigt schon eher 200mm (6,4°) für ein ansehnliches Ergebnis. Formatfüllend sogar rund 500mm!

Der so gerne und oft fotografierte Mond ist eine Ausnahme: er ist zum einen deutlich heller als alle anderen nächtlichen Himmelsobjekte und benötigt daher meist sehr kurze Verschlusszeiten. Aber er ist leider auch nicht der Größte…man benötigt für eine formatfüllende Abbildung schon eher 1500mm Brennweite! Der Mond hat (wie auch die Sonne) eine Ausdehnung von etwa 0,5° - mit 1000mm kommt man auf etwa 1,3° in der Breite.
Das stabile Stativ hatte ich ja bereits erwähnt – und bitte möglichst nicht die Mittelsäule ausziehen. Wer einmal einen Stern mit einer mittleren Brennweite mittels Live-View anvisiert hat und auch nur sanft an das Stativ getippt hat, wird wissen, was ich meine! Der Stern tanzt auf dem Bildschirm als gäbe es ein Erdbeben…zudem machen sich Windböen dabei deutlich bemerkbar! Unschärfen sind dann kaum zu vermeiden!

Apropos anvisieren…wie stelle ich denn nachts scharf?
Naja…manuell halt! Der Autofokus findet (außer beim Mond vielleicht) kein Ziel und zu wenig eindeutige Kontrastkanten. Bei Weitwinkel-aufnahmen ist das nicht so das Problem – anders bei Aufnahmen mit Telebrennweiten. Hier ist die Live-View-Möglichkeit meist eine gute Methode. Bei maximaler Vergrößerung stellt man das helle Scheibchen eines "Leitsterns" auf den kleinsten möglichen Durchmesser. Beim Live-View stellt man auch immer die Schärfe quasi direkt auf dem Sensor ein.

Also AF an der Kamera AUS! Sollte sich der Bildstabilisator nicht schon automatisch bei der Verwendung von Live-View abschalten, auch den besser abschalten. Meine Pentax hat glücklicherweise eine „Nachtsicht“-Funktion bei Live-View…der Bildschirm leuchtet dann in augenfreundlichem Rot. Ansonsten besser den Live-View nur für die Scharfstellung nutzen und dann abschalten – er blendet sonst ggf. zu stark und man verliert dei Nachtsichtfähigkeit der Augen. Dann auch ggf. die Spiegelvorauslösung (so man denn einen hat) einschalten.
Zur Scharfstellung gibt es noch weitere Hilfsmittel/Methoden mit speziellen Schlitzmasken (Stichwort „Scheinern“) vor dem Objektiv. Hierbei wird eine Schlitzmaske vor dem Objektiv positioniert - die generiert zwei Bilder des Sterns, die dann bei ausreichender Schärfe zu einem verschwimmen. Allerdings wird es dann auch auf dem Live-View Bildschirm recht duster, weil die Schlitzmaske doch recht viel Licht schluckt. Die Maske muss bei der Belichtung natürlich wieder abgenommen werden.

Wo wir schon bei der Kamera sind: die ISO-Zahl ruhig hochdrehen (außer beim Mond!) – je kürzer fällt die Belichtungszeit aus! Bei heutigen Modellen kann man getrost 3200 oder auch 6400 ISO ohne viel Rauschen erwarten. Je mehr Licht gesammelt wird, je mehr Details werden später sichtbar! Bitte NICHT! auf die ggf. erscheinende, partielle Überbelichtungswarnung der Kamera achten - das war auch schon mein Fehler.
Ich habe darufhin die ISO reduziert - mit dem Ergebnis, dass nach der "Entwicklung" einfach weniger Details erkennbar waren.
Natürlich fotografieren wir im RAW-Modus und bei längeren Belichtungszeiten schalten wir ggf. auf den „BULB“-Modus.
Auslösen der Kamera erfolgt dann am besten auch gleich per Fernauslöser (IR, Funk oder einfach Kabel) – so vermeidet man jede Erschütterung...der Spiegel ist bei Live-View ja bereits oben. Nutzer einer spiegellosen Systemkamera haben da eine Sorge weniger.
Was ist noch wichtig? Da wir diese Art der Fotografie in der Regel nachts und draußen bewerkstelligen wollen und auch Technik bedienen müssen: vielleicht eine Stirnlampe – die sinnvollerweise auch noch auf rotes Licht umschaltbar ist. So verlieren wir nicht die Nachtsichtfähigkeit unserer Augen (die erst nach 15-20Minuten in der Dunkelheit vollständig zur Verfügung steht). Bei kühlem Wetter natürlich warme Kleidung, ggf. eine Thermoskanne mit heißem Kaffee oder Tee?

Und ganz wichtig: den Standort so auswählen, dass man auch eine gute, freie Sicht auf die zu fotografierenden Objekte am Himmel hat. Dazu der Hinweis, dass Objekte in der Nähe des Horizonts eher problematisch sind. Das kommt durch das mehr an Luftmassen und die dadurch oft erhöhten Luftturbulenzen (gerade nach heißen Sommertagen!) und zum anderen durch die schlechtere Sichtbarkeit.
Selbst bei einem klaren, wolkenlosen Himmel und möglichst wenig Licht in der Umgebung(was wir ja voraussetzen!) gibt es nämlich noch ein Problem: Die sogenannte „Lichtverschmutzung“ nimmt leider immer mehr zu und lässt den Himmel (vornehmlich eben bei flacheren Winkeln) in einem gelblichen (Vom Lichtspektrum der meisten Straßenlampen) Farbton erstrahlen. Am Nachthimmel in mancher Großstadt sind dadurch oft nur noch wenige Sterne zu entdecken.
Die Qualität eines nächtlichen Himmels ist in der sogenannten „Bortle“-Skala in Stufen eingeteilt: Stufe 1 ist die beste Sicht bei vollständig dunklem Himmel, Stufe 9 ist die schlechteste…ein heller Großstadthimmel. Kleinere Städte oder Vororte liegen meist mit einer 4-5 im mittleren Bereich.
Bei etwa Stufe 5 liegt auch mein kleiner Heimatort...ich werde also bald wohl mal eine kleine Reise in die dunkleren Lande unternehmen.

Astrofotografie ist prinzipiell überall möglich – nur der (Zeit-)Aufwand wächst mit zunehmender Lichtverschmutzung. Man muss einfach länger belichten, um Details deutlich heraus zu arbeiten!
Auf alle Fälle sollte man seine Vorhaben nicht gerade auch noch in eine helle Vollmondnacht planen (außer natürlich, der Mond ist das Ziel der Begierde!). Die Zeit kurz vor bis kurz nach Neumond sind ideal – und der Mond ist ja auch nicht jede Nacht am Himmel zu sehen. Hier helfen auch wieder Tabellen aus dem Internet, in denen die Mondauf und -untergangszeiten je nach Datum vermerkt sind.
Gegen die Lichtverschmutzung gibt es (abgesehen vom Ausweichen in dunklere, ländlichere Regionen) übrigens sogenannte „Clear-Sky“ oder „Nachtsicht“ –Filter, die einen bestimmten Anteil der störenden Wellenlängen des Umgebungslichtes herausfiltern – allerdings sind diese Filter -je nach Größe- auch recht teuer.
So…das soll es mit der Theorie für den Einstieg auch schon gewesen sein – ich habe sicherlich viel vergessen, aber für einen gelungenen Einstieg in diese Art der Fotografie sollte es reichen.
Das nächste Kapitel kommt dann endlich zur Sache und widmet sich mehr der Praxis. Ich habe ja schon einige Fotos eingestellt…weitere Aufnahmen sind natürlich wetterabhängig! Nur bei völlig klarem Himmel lohnt sich diese Art der Fotografie. Ich werde ein wenig von meinen persönlichen Erlebnissen -positiv und negativ- berichten.
Danach kümmern wir uns auch noch um die Nachbearbeitung und die dafür notwendige Software!
Gerade bei Astrofotos ist das essentiell wichtig! Manche Motive bleiben sonst fast unsichtbar…

Also drückt die Daumen, dass es bald wieder klare Nächte gibt!;)
 
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Bratz

Well-known member
Danke Jörg! :)
Es scheint nun eine kleine Wartezeit geben zu müssen...Wetterbedingt sind die Sterne (und die schönen Nebel) nicht sichtbar.
Sobald es wieder passende "Astro-Nächte" gibt, beht es auch weiter!;)
 

Halunder

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Das liest sich alles gut - Danke - aber das mit der K1 habe ich nicht so ganz verstanden. Die Kamera führt sich selbst mit den Sternen? Irgendwie komme ich da gerade nicht mit, muss ich doch mal googeln. Aber was das Objektiv angeht, lese ich immer wieder das ein gutes Lichtstarkes Weitwinkel reicht, selbst damit kann man Nebel und Co. aufnehmen. Es kommt immer auf das Störlicht an, selbst wenn man meint das die Stadt weit genug ist und man nur ein paar Lichter sieht, reicht das schon aus.
Ja die Wetterlage ist übel - am besten fotografiert man eh bei Minus Graden, da ist die Luft klar und keine Staubpartikel in der Luft.
 

Bratz

Well-known member
Ja Herbert...die K1 bewegt den Sensor, um die Erddrehung auszugleichen!:) ...Clever...gell?(y)
Das geht natürlich auch nur für eine gewisse Zeit - je nach Brennweite. Aber ein 15mm Weitwinkel kann ich schon über ein paar Minuten belichten lassen! Das hier bisher genutzte 300mm Objektiv habe ich bis 25sek ausprobiert - da geht aber noch mehr.
Mit einem Weitwinkel wirst Du zwar schöne Sternenaufnahmen hinbekommen, aber leider nicht diese Details von z.B. der Nebel sehen.
Ein Nebel bleibt dann eben ein verschwommerner Lichtfleck...
Aber ich berichte weiter, sobald das Wetter wieder etwas mehr Aktivitäten in dieser Richtung zulässt.
 

HerbertK

Administrator
Teammitglied
Ein Nebel bleibt dann eben ein verschwommerner Lichtfleck...
Das sieht man an meiner Aufnahme hier. Das Bild entstand mit 23 mm Brennweite an Vollformat. Das Original ist 6720 x 4480 Pixel groß, der 100-%-Ausschnitt ist 1280 x 854 Pixel groß ... und von Andromeda ist nicht wirklich viel zu sehen. Dafür sieht man auf dem Original natürlich sehr schön das Sternengewimmel.
 

Halunder

Active member
Es gibt das Sigma 14 mm / 1,8 und damit wurden einige exzellente Aufnahmen von der Milchstrasse gemacht, erweitert
man auf 85 mm / 1,4 bekommt man auch schon einiges mehr auf den Sensor.
Es kommt immer auf die Umgebung an, in Deutschland gibt es nur sehr wenige geeignete Location für Astrofotografie.
Schaut man sich auf astromerk.de die Lichtverschmutzungs-Karte einmal genau an, stellt man fest, das es kaum einen Ort in Deutschland
gibt wo es zu 100 % dunkel ist.
Klar ist aber, wenn man tiefer ins Weltall will muss ein Teleskop her, da gibt es einen klasse Händler mit tollem Service.
 

Hevo

Active member
Offengestanden habe alles zweimal gelesen und werde es bestimmt nochmals ein drittes mal tun. Ich bin in der Fotografie nicht so bewandert wie die meisten hier, komme gerade so mit dem Grundwissen zurecht aber das ist gut. Ich bewundere deine Fähigkeiten auch Menschen mitzureisen die vorher sich mit diesem Thema der Astrofotografie noch nicht beschäftigt haben. Deine Erklärungen wachsen mit jedem Wort oder Satz zu einem sich vorstellbaren Bild. Ich selbst verfolge schon seit vielen im TV oder in der Mediathek jede sich nur vorstellbare Sendung vom Urknall angefangen bis hin zu den Planungen zum Mars. Egal ob Schwarze Löcher bis zu Sternen Explosionen oder Implodierende Galaxien. Ich Danke Dir ganz herzlich das du uns das Thema Fotografie von Sternen und fremden Galaxien so vermittelst und hoffe noch das eine oder andere von dir zu Lesen aber auch zu sehen, du weißt ja selbst es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen aber es ist möglich mit deine Engagement ein Meister zu werden. Danke und eine Gute Zeit wünscht HerbertV Hevo..
 
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