Gibt es die echte, die wahrhaftige, die reale Fotografie?

Bernhard S.

Well-known member
...um die Problematik für eine (bislang nicht verbindlich vorliegende) Definition zu dieser Begrifflichkeit aufzuzeigen. Und einer Definition bedarf es schon deshalb, damit alle Beteiligten „die gleiche Sprache“ sprechen. Notwendig ist auch die Erkenntnis, dass es ein „bisschen echt“, ein „bisschen real“ ebenso wenig geben kann wie ein „bisschen Schwanger“. Also nur entweder oder.
Ein netter Thread und ebenso interessante Meinungen. (y)

Vorweg, ich bin ja nur ein schlichtes Gemüt. Deshalb bitte ich um Nachsicht, falls ich die Thematik verfehle.
-Diese Art der Debatte führen nach meiner Erfahrung zwei bestimmte Lager. Erstens die Snobs, welche "wahrhafte" Fotografie nach ihrem eigenen, angeblich gehobenen künstlerischen Anspruch begreifen. Zweitens die Laien (oder Puristen), die "echte" Fotografie als die möglichst naturgetreue Wiedergage ihrer wahrgenommenen Umgebung betrachten. Beide Ansichten sind legitim, treffen aber, so glaube ich, nicht den Kern der Sache.
Das Wort Fotografie bedeutet bekanntlich malen mit Licht, ist also grundsätzlich eine Tätigkeit. Egal, ob ein spontanes Selfie oder eine lange geplante, über Monate dauernde Konzeptarbeit - man macht etwas. Das zumindest kann man als real bezeichnen.
Oder für alle, die am Neujahrsmorgen noch verkatert sind, etwas einfacher formuliert:
Sobald man einen Auslöser drückt und Informationen auf ein Medium (Karte, Film) speichert, ist man definitiv schwanger! :)
 

evalgg

Well-known member
Ein netter Thread und ebenso interessante Meinungen. (y)

Vorweg, ich bin ja nur ein schlichtes Gemüt. Deshalb bitte ich um Nachsicht, falls ich die Thematik verfehle.
-Diese Art der Debatte führen nach meiner Erfahrung zwei bestimmte Lager. Erstens die Snobs, welche "wahrhafte" Fotografie nach ihrem eigenen, angeblich gehobenen künstlerischen Anspruch begreifen. Zweitens die Laien (oder Puristen), die "echte" Fotografie als die möglichst naturgetreue Wiedergage ihrer wahrgenommenen Umgebung betrachten. Beide Ansichten sind legitim, treffen aber, so glaube ich, nicht den Kern der Sache.
Das Wort Fotografie bedeutet bekanntlich malen mit Licht, ist also grundsätzlich eine Tätigkeit. Egal, ob ein spontanes Selfie oder eine lange geplante, über Monate dauernde Konzeptarbeit - man macht etwas. Das zumindest kann man als real bezeichnen.
Oder für alle, die am Neujahrsmorgen noch verkatert sind, etwas einfacher formuliert:
Sobald man einen Auslöser drückt und Informationen auf ein Medium (Karte, Film) speichert, ist man definitiv schwanger! :)
Hallo Bernhard,
dein Beitrag trifft es sehr genau. Allerdings hast du einen dritten Typ von Fotograf vergessen, der weder ins das Lager mit künstlerischem Anspruch, noch in das der Naturalisten fallen: Fotografen, die es emotional angehen, die eine Stimmung wiedergeben wollen oder, wenn es minimalistische Architekturaufnahmen sind, die Ästhetik der Architektur "zeichnen". Ich glaube sogar, dass dieser Typ der häufigste ist. Wenn jemand die Schönheit der Natur und des Lichtes einfängt und teilen will, dann passt er unter die emotionale Fotografie. Dem ist es auch egal, ob er, um sein Anliegen zu übermitteln, Bildbearbeitung einsetzen muß oder nicht. Das Ergebnis muss sein Erleben widerspiegeln.
 

Bernhard S.

Well-known member
Na ja Eva, den von dir beschriebenen Typus (zu dem ich mich auch zähle) habe ich bewusst vergessen, da ihm, wie du selber schreibst, allein das Ergebnis wichtig ist und nicht die "Spielregeln".
Als Konsequenz ist daher die Diskussion für mich schon wieder zu Ende... ;)

LG Bernhard
 

evalgg

Well-known member
Na ja Eva, den von dir beschriebenen Typus (zu dem ich mich auch zähle) habe ich bewusst vergessen, da ihm, wie du selber schreibst, allein das Ergebnis wichtig ist und nicht die "Spielregeln".
Als Konsequenz ist daher die Diskussion für mich schon wieder zu Ende... ;)

LG Bernhard
Hallo Bernhard,

was meinst du damit, dass "daher die Diskussion für mich schon wieder zu Ende" ist?
"Spielregeln" stellen die ersten zwei Typen auf, der von mir beschriebene Typus hat nur das Ergebnis als Spielregel. Dabei ist Bildbearbeitung ein "kann", kein "muß"!!!
90% meiner Bilder durchlaufen lediglich die normale Raw-Entwicklung, d.h., wenn ich in jpeg fotografieren würde, müsste ich kaum etwas korrigieren. Es ist also keine aufwändige Retusche für Bilder notwendig, sondern nur eine gewisse Achtsamkeit beim Fotografieren, was du aber bisher ja scon immer gemacht hast.

Liebe Grüße Eva
 

Bernhard S.

Well-known member
was meinst du damit, dass "daher die Diskussion für mich schon wieder zu Ende" ist?
Das heisst lediglich, dass ich das Philosophieren über Fotografie Anderen überlasse. Da ich noch zum werktätigen Volk gehöre, konzentriere ich mich lieber auf die mir wichtiger erscheinenden Freizeitbeschäftigungen.
 

michel

Well-known member
Hallo Bernhard,

eine (unterschwellig) emotional geführte Diskussion führt bei diesem Thema eher nicht zu irgendwelchen Erkenntnissen. Mir war schon daran gelegen, sachliche Argumente dazu auszutauschen. Bei dem immer wieder zu hörendem Argument „Fotografieren ist Malen mit Licht“ handelt es sich nur um eine, wie ich meine, abgedroschene Phrase. Es kann als Zitat weder einer/einem namhaften Fotografin/Fotografen zugeordnet werden, noch taugt es als Definition für irgendetwas. Wenn du dann schreibst ……Erstens die Snobs, welche "wahrhafte" Fotografie nach ihrem eigenen, angeblich gehobenen künstlerischen Anspruch begreifen……und ….Beide Ansichten sind legitim……, wirkt das wenig glaubhaft. Mit der Art Deiner Formulierung drückst Du gerade das Gegenteil aus, nämlich dass Du diese Vorstellung von Fotografie als nicht legitim ansiehst.

Ich selbst denke eher, dass es eine allgemeingültige Definition zur echten Fotografie wahrscheinlich nicht geben kann, hatte mir aber einen sachlichen Austausch unterschiedlicher Auffassungen gewünscht. Den Anderen in seiner Auffassung zu verstehen hilft sicher weiter, den eigenen Horizont zu erweitern und neue fotografische Ansätze für sich selbst zu finden.

Andreas Feininger hat im April 1993 einen interessanten Aufsatz veröffentlicht in der er schreibt:

„Fotografie ist eine Bildsprache, die einzige Sprache, die überall in der Welt verstanden werden kann. Das macht sie wertvoll und einzigartig. Doch so wie das gesprochene oder geschriebene Wort intelligent eingesetzt werden kann, um Wissen zu vermitteln, Ideen auszutauschen und den Geist zu stimulieren oder aber dafür, als Geplapper verschwendet zu werden, so kann Fotografie dem Betrachter etwas Wertvolles geben oder seine Zeit mit visuellem Blabla vergeuden. Die wichtigste Eigenschaft der Fotografie ist also ihr Inhalt“.

Die Gretchenfrage dazu wäre dann, wie und in welcher Weise dieser Inhalt zu Stande kommt.

LG Michel
 

Bernhard S.

Well-known member
Hallo Michel,
wie bereits eingangs erwähnt - ich bin nur ein schlichtes Gemüt...
Vielleicht wäre es ratsam gewesen, wenn du nach der Anmoderation auf die zahlreichen Beiträge eingegangen wärst und die Diskussion in die gewünschte Richtung gelenkt hättest, anstatt zwei Wochen abzutauchen. ;)

...Mit der Art Deiner Formulierung drückst Du gerade das Gegenteil aus, nämlich dass Du diese Vorstellung von Fotografie als nicht legitim ansiehst.
Das ist schlicht nicht wahr. Auch wenn ich manche Ansichten nicht teile, so bedeutet es noch lange nicht, dass ich sie nicht "leben lassen" kann.

LG Bernhard
 

michel

Well-known member
Vielleicht wäre es ratsam gewesen, wenn du nach der Anmoderation auf die zahlreichen Beiträge eingegangen wärst und die Diskussion in die gewünschte Richtung gelenkt hättest, anstatt zwei Wochen abzutauchen. ;)

LG Bernhard

Hallo Bernhard,
es lag mir fern die Diskussion in irgend eine Richtung zu lenken. Mir war im Gegenteil daran gelegen, möglichst viele unterschiedliche und sachlich begründete Standpunkte zu hören.

LG Michel
 

manidoro

Well-known member
Auch wenn ich selbst den Anspruch stelle, "das zu zeigen, was ist", erwische ich mich permanent dabei, meine Bilder zu ästhetisieren. Warum? Na klar: ich will, dass meine Fotos auffallen, gefallen, dass sie bestimmte Emotionen oder Gedanken auslösen! Und schon bin ich bei der Hauptfrage: warum fotografiere ich überhaupt? Fotografiere ich, um etwas zu verkaufen?, um meine Sicht der Dinge unter's Volk zu bringen?, um Anerkennung zu ernten oder gar berühmt zu werden? Egal warum: die Fotografie ist nur ein Mittel dazu, die Kamera ein Werkzeug, der Fotograf ein Handwerker, der je nach vorhandenen Werkzeugen und abhängig von ihrer Beherrschung mehr oder weniger erfolgreich ist. Dasselbe gilt für Maler, Musiker, Dichter usw.
 

Bernhard S.

Well-known member
...Die wichtigste Eigenschaft der Fotografie ist also ihr Inhalt“.
Die Gretchenfrage dazu wäre dann, wie und in welcher Weise dieser Inhalt zu Stande kommt.
Finde heraus, was DIR wichtig ist, dann kommt der Inhalt schon! Was bewegt dich, nervt dich, freut dich...
Wenn du es nicht einmal weisst, wie soll es denn der Bildbetrachter erkennen?
 

Bernhard S.

Well-known member
Du kannst ein Foto nach allen Regeln der Kunst erstellen, trotzdem wird es nur eines unter vielen sein, solange das Herz darin fehlt.

...da gerade Mittag ist, wünsche ich dir einen guten Appetit,
Bernhard
 

jottkah

Well-known member
Andreas Feininger hat im April 1993 einen interessanten Aufsatz veröffentlicht in der er schreibt:

„... oder aber dafür, als Geplapper verschwendet zu werden, so kann Fotografie dem Betrachter ... seine Zeit mit visuellem Blabla vergeuden. ...“.

Ob Herr Feininger damals schon die Entwicklung von Instagram vorhergesehen hat?
Jedenfalls verstehe ich jetzt, warum bei mir Insta so negativ belegt ist. Ich mag gesprochenes und geschriebenes Blabla nicht und offensichtlich auch Bilder-Blabla nicht. Nur kam mir bisher der Gedanke nicht, dass Bilder "Geschwätz" sein können. Aber klar, wenn Bilder Geschichten erzählen können, dann können sie auch belangfreies erzählen. Eigentlich ein schöne Inhaltsangabe für so vieles, was in sozialen Medien verbreitet wird.
 

michel

Well-known member
Hallo zusammen,

es steht ja außer Frage, dass wir alle mit unseren Fotos, oder besser gesagt Bildern, welche wir anderen zeigen, irgendetwas bewirken wollen. So unterschiedlich wie das, was wir ausdrücken wollen, sind auch die Herangehensweisen und persönlichen Vorstellungen. Und die Vorstellung was ein „gutes“ Bild ausmacht sind durchaus recht unterschiedlich und auch subjektiv geprägt.

All dies war jedoch nicht meine Fragestellung.

Immer wieder hört oder liest man „Das ist kein richtiges Foto (mehr)“ und die darauffolgenden Begründungen sind, gerade bei mündlichen Diskussionen, dann doch sehr mager und manchmal auch widersinnig.

Ich hatte mir von diesem Thread erhofft, hier unterschiedliche Meinungen zu hören und verschiedene Sichtweisen kennenzulernen, wann ein Foto ein „richtiges“ Foto (Bild) ist und wann nicht. Nicht um eine kontroverse Diskussion auszulösen, sondern um zu verstehen.

LG Michel
 

Marika

Well-known member
Ich denke, ein Richtig oder Falsch gibt es hier nicht. Das sieht wahrscheinlich jeder etwas anders.
Mit der Kamera macht man ein Foto, das man dann (meist) erstmal entwickelt und danach weiter so bearbeitet, dass am Ende ein Bild entsteht, wie es der Fotograf sich vorstellt..
Die Bildbearbeitung ist ein sehr weites Feld, bis hin zu Composings, die für mich, gut gemacht, die hohe Kunst sind. Composings sind für mich also keine Fotos, sondern Bilder.
Ich habe z.B. auch schon sehr gute Bilder gesehen, die durch das Bemalen von Fotos mit Farbe und Pinsel entstanden sind. Das sind dann natürlich keine "richtigen" Fotos mehr.
 
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