Farbtransekt nach Niall Benvie

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Farbtransekt

Ich hatte neulich mal das Buch "Kamerakunst" von Niall Benvie aus dem Tecklenborg-Verlag in den Händen und bin beim Durchblättern sofort fasziniert gewesen von seinen - wie er es nennt - colour transects.
Auf seiner Webseite https://www.benvieart.eu/colour-transects kann man tolle Beispiele finden. Das Prinzip besteht darin, ein Bild zusammen mit einer Farbkarte zu präsentieren, welche aus dem Bild selbst gewonnen wird.
Der Sinn dahinter ist, Zitat Benvie:
“There are two main ideas behind Colour Transect images. Firstly, they draw the viewer’s attention to the diversity of colours present in a scene – often much greater than they imagine. Secondly, Colour Transects hold the viewer’s attention for longer than a “normal” photograph as they speculate where the colours have been sampled from. The approach puts colour to the fore rather than treating it as an incidental element.”

Was in Technik und Wissenschaft als Transekt bezeichnet wird, kann man in einschlägigen Quellen nachlesen.


Am einfachsten lässt sich dieses Konzept nach seiner Erfahrung mit einem Desktop-Publishing-Programm wie InDesign oder Affinity Publisher realisieren, mit dem Vorteil gegenüber z. B. Photoshop, dass man nicht in einer Pixel-Umgebung sondern in einer Vektorumgebung arbeitet mit all ihren Vorteilen.
Ich habe mir eine Testversion von Affinity Publisher 2 installiert. Sie ist uneingeschränkt für 180(!) Tage nutzbar und sehr intuitiv in der Anwendung. Man kann sich also ordentlich austoben, bevor man es erwirbt oder das Thema wieder ad acta legt. In etwa zwei Stunden war ich für unseren Zweck hinreichend eingearbeitet und hatte schon das erste Ergebnis.

Bei meinem ersten Einstieg bin ich folgendermaßen vorgegangen:


Vorlage erstellen:
Um das Prinzip an mehreren Bildern einfach ausprobieren zu können, habe ich mir zunächst zwei Vorlagen erstellt, eine für Hoch- und eine für Querformat Bilder.
In Kurzform für Querformat:
- Datei neu - A3 wählen und Layout modifizieren zum Quadrat Seitenbreite = Seitenhöhe 297mm - erstellen
- In das nun erscheinende weiße Quadrat oben einzeichnen einen möglichst großen rechteckigen Bilderrahmen im gewünschten Seitenverhältnis (Werkzeugpalette am linken Rand)
- unter den großen Bilderrahmen habe ich nun z. 30 kleine quadratische Bilderrahmen (shift Taste) in 3 Reihen à 10 Rahmen gelegt.
Damit alle gleich groß sind, habe ich den ersten erstellt und mit Copy-and-Paste vervielfacht. Wie man diese elegant gleichmäßig auf der Fläche verteilen kann, habe ich der Hilfedatei des Programms entnommen.
Mit Datei - Als Vorlage exportieren habe ich abgespeichert, mit Datei öffnen kann ich sie jederzeit wieder laden.

Analog bin ich für eine Vorlage zum Hochformat vorgegangen.

Transekt erstellen:
Nach dem Laden der Vorlage sieht man in der rechten Werkzeugleiste, dass jeder Bilderrahmen als neue Ebene eingefügt worden ist.
Das JPEG-Bild, aus dem die Farben extrahiert werden sollen, kann man einfach mit Drag-and-Drop in den großen Bilderrahmen ziehen, die zweitunterste Ebene wird als gefüllt markiert.
Die Rahmen für die kleinen Farbflächen liegen als "leere" Ebenen jetzt darüber.

Für das folgende ist wichtig, dass man in der linken Werkzeugleiste unten das Pipettenwerkzeug auf Farbpipette (und nicht auf Stilpipette) einstellt!

Klickt man jetzt im Ebenenbereich auf einen leeren Bilderrahmen und anschließend auf irgendeine Stelle im Bild (evtl. vergrößert) , dann wird die Farbe unter dem Cursor in das kleine Quadrat eingefüllt. Auf diese Weise kann man nun alle Felder füllen.
In einem schon befüllten Feld kann jederzeit eine andere Farbe eingetragen werden, so dass man die Farbpalette editieren kann.

Benvie legt sich manchmal Hilfslinien über interessante Bereiche des Bildes, entlang denen er die Farben extrahiert – daher der Name Transekt. Ich habe mir das bisher gespart.

Das fertige Farbtransekt wird mit Exportieren als JPEG abgespeichert. EXIF-Daten gehen zwangsläufig verloren. Um eventuell nachträglich noch etwas ändern zu können, speichere ich noch zusätzlich mit Speichern unter als Affinity-Datei ab.

Eventuell kleinere Korrekturen, Crops und verkleinern auf Forengröße mache ich dann im Bildbearbeitungsprogramm.

Es gibt natürlich bezüglich der Anordnung der Farbfelder, ihrer Form usw. unendlich viele Möglichkeiten. Ebenso kann man das Programm automatisch eine Farbpalette aus dem Bild erstellen lassen, und, und, und …. Ich bin da auch noch nicht viel weiter. Ich leihe mir demnächst ein Publisher-Handbuch aus meiner Stadtbibliothek. Damit erschließen sich mir sicherlich noch weitere Möglichkeiten.

Falls noch Fragen zu meinem bisherigen Vorgehen offen geblieben sind, versuche ich sie gerne zu beantworten. Leider kann ich keine meiner Vorlagen anhängen, damit hättet Ihr schneller loslegen können.

Ich habe noch ein paar Beispiele angehängt. Ich denke, nicht alle Motive eignen sich gleich gut für diese Art der Darstellung-

Nun viel Spaß beim Ausprobieren!
 

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Zuletzt bearbeitet:
Was meinst Du mit "fremdlich"?
Ist vielleicht nicht so trefflich damit ausgedrückt, aber ich hatte zuerst den Eindruck, was soll ich damit, warum soll ich die Farben des Bildes als ? Aber durch Deine Bilder wurde das ganze dann abgerundet.

Soll ich irgendetwas genauer oder verständlicher ausführen?
Nein, Du hast es ja sehr verständlich erklärt.

Ich werde es einmal mit Photoshop versuchen, da ich Affinity Publisher nicht habe, und deswegen auch auf meinem Rechner keine Testversion installieren möchte.
 
Ist vielleicht nicht so trefflich damit ausgedrückt, aber ich hatte zuerst den Eindruck, was soll ich damit, warum soll ich die Farben des Bildes als ? Aber durch Deine Bilder wurde das ganze dann abgerundet.


Nein, Du hast es ja sehr verständlich erklärt.

Ich werde es einmal mit Photoshop versuchen, da ich Affinity Publisher nicht habe, und deswegen auch auf meinem Rechner keine Testversion installieren möchte.
 
Ich finde Benvies Ausführungen zum Sinn des Ganzen eigentlich recht überzeugend. Das kann man selbstverständlich anders sehen. Überstrapazieren darf man diese Art der Darstellung sicherlich nicht. Ich wäre interessiert zu erfahren, ob man mit Photoshop ähnlich schnell und elegant ans Ziel kommen kann. Vielleicht gibst Du mir/ uns gelegentlich in zwei Sätzen Rückmeldung.
 
Danke für den Beitrag. Das verführt zum Ausprobieren, da ich schon länger mit „affinity“ arbeite.
Und Deine Beispiele gefallen mir gut! 😊
 
DANKE für den tollen Tipp. 👍📸

Habe zwar Photoshop, komme in Sachen Layout aber mit Powerpoint besser klar. Hat etwa ein halbe Stunde gedauert:
Am längsten braucht man für die Auswahl der Farben.
 

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Schön, dass Du so probierfreudig bist, da erfährt man immer wieder neue Sachen (siehe auch diese Tierfotos in schwarz/weiß, die Du eine Zeitlang gemacht hast). Weiter so! :)
 
Klasse Tipp, Danke!! Ich habe von Serif noch ein altes Programm 'DrawPlus x8' ist ebenfall auf vektorbasis und wahrscheinlich der Vorgänger von Affinity Publisher. Konnte damit auch sehr gut die Farbextrakte ziehen. Im Netz findet man sehr viele Beispiele.
Mohn.jpg
 
Mir erschließt sich die Philosphie zwar nicht, aber ich habe das mal ausprobiert, und zwar mit dem kostenlosen Online-Tool https://colorpalette.imageonline.co/
Man lädt das Bild hoch, wählt aus, wieviele Farbfelder angezeigt werden und ob Farbbezeichnungen eingeblendet werden sollen. Die Palette kann man dann runterladen. Damit das Bild nicht zerstört wird, habe ich sie dann skaliert und seitlich angesetzt.

hk_230309_bunt_sitzen_farbextrakt.jpg
 
Nochmal zur Philosophie. Ich sag's mal so: Wenn Betrachter nur länger aufs Bild schauen, weil Farbfelder dazu gezeigt werden, stimmt mit dem Bild etwas nicht.
Ich denke das hat weniger mit Philosophie, als mit dem Spieltrieb des Menschen zu tun. Wenn ich dem Betrachter Farbfelder präsentiere die im Bild enthalten sind (und nicht nur die offensichtlichen), dann versucht er die einzelnen Farben im Bild zu finden und schaut sich dabei das Bild natürlich intensiver an.
 
Zitat Niall Benvie: „Hinter Farbtransektbildern stehen zwei Hauptideen. Erstens lenken sie die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Vielfalt der Farben in einer Szene – die oft viel größer ist, als er sich vorstellt. Zweitens fesseln Farbtransekte die Aufmerksamkeit des Betrachters länger als ein „normales“ Foto, da er spekuliert, woher die Farben stammen. Dieser Ansatz stellt die Farbe in den Vordergrund, anstatt sie als nebensächliches Element zu behandeln."

… ist kein fotografischer Fast-Food 😉
und eher der Kunst zuzuordnen.
 
Sinnstiftend für mich war schon allein die Tatsache, dass es mir einen riesigen Spaß gemacht hat, mich damit zu beschäftigen.
Ich(!) habe in manchen scheinbar dezent gefärbten Motiven plötzlich Farbnuacen entdeckt, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte.
Dazu kommt, dass man ja die Anordnung der Farbquadrate in der Palette auch gestalten und dabei kreativ werden kann.
Ich werde das Verfahren für mich sicherlich immer mal wieder anwenden.
Das heißt: Alles gut! Das Fotohobby soll vor allem eins: Denen Spaß machen, die es betreiben ...

Außerdem: Wenn ein Bild der Fotografin oder dem Fotografen gefällt, ist es ein gutes Bild! Das soll man sich von niemandem kaputtreden lassen. (Das heißt nicht, dass es bei einem Wettbewerb gewinnt ... aber das ist eine ganz andere Geschichte.)
 
Noch ein Tipp für Photoshop-Nutzer, wie man einfach an die Farbpalette des Fotos kommt:
- Foto in Photoshop öffnen.
- Datei>Exportieren>Für Web speichern
- Im Fenster: "GIF" und die gewünschte Zahl der Farben (im Beispiel 17) eintragen.
Die entsprechende Farbtabelle erscheint darunter (siehe Foto).
- Die Farbtabelle dann entweder als Screenshot in anderen Programmen (z.B. Powerpoint) als Kopiervorlage verwenden.
Alternativ in Adobe hinterlegen (Pfeil nach unten>Farbtabelle speichern) und hier weiterverwenden.
 

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